Das Spiegelmenschleiden

Es ist nur eine von unzähligen Wohlstandskrankheiten aber eine echt fiese.

Man nehme ein Menschlein ...
... leitbildzivilisiert wohlständig
... pisaverifiziert schulgebildet
... konsumorientiert präsentationsbedürftig 
... bedeutungsheischend wertgeprägt
... zeitgeistig schönheitsnormiert
... mitleidlos erfolgshungrig
... geschlechtsneutral also egal ob Weibchen oder Männchen oder Mann-Weibchen oder ...

Ein Menschlein, das gerne ein wenig mehr für sich nimmt um dann eben mit ein bisschen mehr unzufrieden zu sein.
Eines, das sich dem Haben-Wollen hingibt und denen, die seinem Wollen nicht entsprechen, die Verantwortung für sein nicht erfahrenes Lebensglück zuweist.
Ein Menschlein, das die Relativitätstheorie besonders lebens(un)praktisch interpretiert und seine relative Bedeutung, seinen relativen Reichtum und seine realtive Attraktivität damit misst.
Eines, das sein Dasein zuweilen gefühlt unbeachtet, unverstanden, unberührt, ungeliebt und unbesext zu fristen verdammt ist.
Eines, dem die Unfreude am laugewärmten Leben schon nachhaltige Gesichtsschädigungen zugefügt hat.

Also ein Menschlein, das sich nur schwerlich leiden könnte, wenn es sich selbst begegnete.

Was ein solches Menschlein ertragen muss ...
... wenn es sich im Spiegel erblickt
... das Unleidbare kaum fassbar vor Augen
Das erschöpft lebensfrohe Vorstellungskräfte zur Gänze.

Es bestehen leider nur geringe Aussichten darauf, das Leid derer zu lindern, die den Mensch im Spiegel nicht zu leiden vermögen.

 

 

 

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